Musik
Referenzaufnahmen für den Lautsprechertest
Nicht die Lieblingsplatte entscheidet, sondern die Aufnahme, die einen bestimmten Fehler sichtbar macht. Sechs Kategorien, mit denen man jeden Lautsprecher in einer halben Stunde einordnet.
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Wer zwei Lautsprecher vergleicht, vergleicht in Wahrheit drei Dinge: die Lautsprecher, den Raum und die Aufnahme. Die Aufnahme ist die einzige dieser drei Größen, die man vollständig kontrollieren kann. Deshalb lohnt es sich, dafür eine feste Auswahl zu haben, statt sich beim Hörtermin von der Stimmung leiten zu lassen.
Die folgende Einteilung nach Prüfzweck hat sich bewährt. Konkrete Titel nennen wir bewusst nicht als Vorschrift, sondern beschreiben, wonach Sie in Ihrer eigenen Sammlung suchen.
Sechs Kategorien, die zusammen ein Bild ergeben
1. Eine Solostimme, trocken aufgenommen
Eine unbegleitete oder sparsam begleitete Stimme in einem kleinen Raum ist der empfindlichste Prüfstein für den Bereich zwischen 200 Hertz und 4 Kilohertz. Hier sitzt der Grundton der Stimme, hier fällt jede Überhöhung sofort als Näseln oder Brust auf. Wenn eine Stimme auf einem Lautsprecher belegt und auf dem anderen offen wirkt, liegt der Unterschied fast immer in diesem Band.
2. Ein Soloinstrument mit natürlichem Ausklang
Klavier, Gitarre oder Cello in einem echten Raum aufgenommen. Interessant ist nicht der Anschlag, sondern das, was danach passiert: Wie lange bleibt der Ton stehen, wie sauber verklingt er, wird der Nachhall des Aufnahmeraums abgebildet oder überlagert ihn das Nachschwingen des Lautsprechers? Das ist die Hörprobe zum Wasserfalldiagramm.
3. Ein Stück mit klarem Impulscharakter
Perkussion, Schlagzeugbesen, Cembalo, gezupfte Saiten. Hier zeigt sich das Zeitverhalten: Ein Anschlag muss als Ereignis erkennbar bleiben und nicht in einem Wisch verschwimmen. Lautsprecher mit sauberer Sprungantwort fallen an dieser Stelle auf.
4. Ein Stück mit tiefem, definiertem Bass
Kontrabass, Orgelpedal oder ein akustisch aufgenommener Bass, keine synthetische Sinuswelle. Es geht nicht darum, wie viel Bass kommt, sondern ob Tonhöhen unterscheidbar bleiben. Wenn jede Note gleich laut und gleich lang klingt, hören Sie eine Raummode und nicht den Lautsprecher. Wie man das trennt, steht bei den Raummoden.
5. Eine große Besetzung
Orchester oder Bigband, möglichst mit wenigen Mikrofonen aufgenommen. Prüfzweck ist die Ordnung im dichten Signal: Bleiben Instrumentengruppen unterscheidbar, wenn viel gleichzeitig passiert, oder wird alles zu einer Fläche? Hier trennen sich Lautsprecher, die einzeln gehört unauffällig waren.
6. Eine bewusst schlecht produzierte Aufnahme
Eine dicht komprimierte Popproduktion gehört in jede Liste, denn genau so klingt der Großteil der Alltagsmusik. Ein Lautsprecher, der nur mit audiophilen Aufnahmen funktioniert und bei durchschnittlichem Material anstrengt, ist im Wohnzimmer die falsche Wahl. Dieser Punkt fällt in Vorführungen fast immer unter den Tisch, weil dort ausgewählt wird, was schmeichelt.
Die Referenz muss von Ihnen kommen
Eine fremde Liste hilft nur begrenzt, weil der Wert einer Referenzaufnahme aus der Vertrautheit entsteht. Sie müssen wissen, wie das Stück bei Ihnen zu Hause klingt, sonst können Sie im Vergleich nicht sagen, ob eine Auffälligkeit vom Lautsprecher oder von der Aufnahme kommt.
Praktischer Weg: Suchen Sie in Ihrer Sammlung für jede der sechs Kategorien ein Stück, hören Sie es eine Woche lang bewusst zu Hause und legen Sie sich die Stelle zurecht, auf die Sie achten wollen. Meist reichen 30 bis 60 Sekunden je Titel. Danach ist die Liste einsatzbereit und bleibt es über Jahre.
Demonstrations-CDs von Herstellern
Viele Hersteller und Vertriebe geben eigene Zusammenstellungen heraus, die im Fachhandel zum Probehören ausliegen. Solche Scheiben sind als Aufnahme oft ausgezeichnet, als Prüfmittel aber mit Vorsicht zu genießen: Sie sind danach ausgewählt, dass sie auf der jeweiligen Anlage besonders gut funktionieren. Als Ergänzung zur eigenen Liste sind sie sinnvoll, als Ersatz nicht.
Wer eine solche Zusammenstellung nutzt, sollte sie zusätzlich zu Hause hören, bevor er damit fremde Geräte beurteilt. Sonst vergleicht man am Ende die Aufnahme mit der eigenen Erinnerung an andere Aufnahmen, und das führt zuverlässig in die Irre. Wie ein Vergleich aufgebaut sein muss, damit das Ergebnis am nächsten Tag noch gilt, steht in der Hörproben-Methodik.
Häufige Fragen
- Wie viele Stücke braucht eine Referenzliste?
- Sechs bis acht reichen, wenn jedes einen anderen Aspekt prüft. Wichtiger als die Zahl ist, dass Sie die Stücke auf Ihrer eigenen Anlage sehr genau kennen. Eine unbekannte Aufnahme sagt im Vergleich fast nichts aus, weil Sie Aufnahme und Wiedergabe nicht trennen können.
- Sind hochauflösende Dateien für den Test nötig?
- Nein. Die Unterschiede zwischen Lautsprechern sind um Größenordnungen größer als die zwischen Dateiformaten oberhalb von CD-Qualität. Nutzen Sie das Material, das Sie zu Hause tatsächlich hören, dann passt der Test auch zu Ihrem Alltag.
- Warum klingt meine Lieblingsmusik im Fachgeschäft schlechter?
- Meist liegt es am Raum, nicht am Gerät. Vorführräume sind größer, oft stärker bedämpft und der Hörabstand ist ein anderer. Deshalb gehört zu jedem Vergleich die Frage, wie sich der Raum unterscheidet.
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