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Messtechnik

Messmikrofon und Software: selbst messen

Ein Messmikrofon mit Kalibrierdatei, ein Interface und freie Software reichen für alles, was im Wohnraum sinnvoll messbar ist.

Zuletzt geprüft am

Mikrofon
Messmikrofon mit Kugelcharakteristik und Kalibrierdatei
Interface
USB-Interface mit Phantomspeisung, oder USB-Messmikrofon
Software
REW oder ARTA, für den Einstieg kostenfrei nutzbar
Einstiegskosten
etwa 80 bis 200 Euro

Die Hürde für eigene Messungen ist in den letzten Jahren gefallen. Was früher ein Labor erforderte, läuft heute auf jedem Notebook. Damit wird die wichtigste Frage im Wohnraum beantwortbar: Was macht eigentlich mein Raum mit dem Lautsprecher?

Die Ausrüstung

Das Mikrofon braucht eine Kugelcharakteristik, einen linearen Frequenzgang und eine individuelle Kalibrierdatei, die die Abweichung der einzelnen Kapsel beschreibt. Diese Datei liest die Software ein und rechnet den Fehler heraus. Ohne sie messen Sie das Mikrofon mit.

Für die Anbindung gibt es zwei Wege. Ein USB-Messmikrofon ist der einfachste: einstecken, Kalibrierdatei laden, messen. Ein klassisches Mikrofon mit XLR-Anschluss braucht ein Interface mit 48-Volt-Phantomspeisung, bietet dafür aber einen zweiten Eingang für die Referenzschleife, die für Impuls- und Phasenmessungen nötig ist.

Als Software hat sich Room EQ Wizard, kurz REW, durchgesetzt. Sie ist kostenfrei nutzbar, deckt alle üblichen Messungen ab und erzeugt Frequenzgang, Sprungantwort, Wasserfall und Nachhallzeit aus derselben Messung.

Die erste Messreihe

  1. Mikrofon am Hörplatz aufstellen, auf Ohrhöhe, auf einem Stativ, nicht in der Hand. Alle Personen aus dem Raum, denn ein Körper absorbiert messbar.
  2. Pegel einstellen: Der Messton sollte deutlich über dem Grundgeräusch liegen, üblich sind 75 bis 85 Dezibel. Zu leise misst den Kühlschrank mit, zu laut treibt die Chassis in die Verzerrung.
  3. Sweep starten, einmal je Lautsprecher einzeln, dann beide zusammen. Der Unterschied zwischen Einzel- und Summenmessung verrät, wie sich die beiden Wege im Raum überlagern.
  4. Ohne Glättung ansehen, danach mit einem Sechstel Oktave. Die ungeglättete Kurve zeigt die Realität, die geglättete zeigt, was Sie tatsächlich als Klangfarbe wahrnehmen.
  5. Vier Positionen rund um den Hörplatz messen, jeweils etwa 20 Zentimeter versetzt, und mitteln. Eine einzelne Position kann eine Auslöschung treffen, die zwei Handbreit weiter nicht existiert.

Was Sie zu Hause sinnvoll messen können

Aussagekräftig sind Raumantwort am Hörplatz, Nachhallzeit, Auswirkung von Aufstellungsänderungen und die Wirkung von Absorbern. Genau das sind die Punkte, an denen sich mit wenig Geld viel bewegen lässt, siehe Aufstellung und Hörplatz.

Nicht sinnvoll messbar ist der Frequenzgang eines Lautsprechers unterhalb von etwa 200 Hertz ohne Nahfeldmessung, denn dafür fehlt der reflexionsarme Raum. Ebenfalls schwierig ist der Vergleich absoluter Pegel zwischen zwei Messungen, wenn zwischendurch etwas an der Verstärkung geändert wurde.

Der häufigste Anfängerfehler

Zu früh entzerren. Die Versuchung ist groß, die gemessene Kurve mit einem Equalizer geradezuziehen. Überhöhungen lassen sich damit tatsächlich absenken. Auslöschungen dagegen nicht auffüllen: Wo sich zwei Wellen gegenseitig auslöschen, erzeugt mehr Pegel nur mehr Auslöschung und treibt die Chassis unnötig. Erst Position ändern, dann bedämpfen, erst danach elektronisch korrigieren.

Häufige Fragen

Reicht ein USB-Messmikrofon?
Für Raum- und Frequenzgangmessungen ja. Grenzen zeigen sich, wenn Sie eine Referenzschleife für Impuls- und Phasenmessungen benötigen, denn dafür braucht die Software einen zweiten Eingang. Für Aufstellung und Raumakustik ist das ohne Bedeutung.
Wie wichtig ist die Kalibrierdatei?
Sehr wichtig oberhalb von 8 Kilohertz und unterhalb von 40 Hertz, wo die Serienstreuung günstiger Kapseln groß ist. Ohne Kalibrierung messen Sie im Hochton leicht zwei bis drei Dezibel daneben.
Kann ich mit dem Handy messen?
Für eine grobe Kontrolle von Raummoden reicht es, für alles andere nicht. Die Mikrofone sind stark auf Sprache optimiert, begrenzen den Pegel dynamisch und liefern im Bass keine verlässlichen Werte.

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