Raumakustik
Aufstellung und Hörplatz
Kein Gerätewechsel verändert den Klang so stark wie ein halber Meter Wandabstand. Eine Reihenfolge, die sich in normalen Wohnräumen bewährt hat.
Zuletzt geprüft am
- Erste Maßnahme
- Hörplatz aus der Raummitte holen
- Basis und Abstand
- Dreieck, Seitenlänge etwa gleich
- Wandabstand hinten
- meist 0,4 bis 1,2 m, hörbar in Stufen von 10 cm
- Kosten
- keine
Die Aufstellung ist die einzige Stellschraube, die nichts kostet und trotzdem mehr verändert als der Wechsel des Verstärkers. Der Grund liegt in der Physik: Unterhalb von etwa 300 Hertz erzeugt der Raum stehende Wellen, und ob ein Lautsprecher in deren Druckmaximum oder in deren Nullstelle steht, macht Unterschiede von zehn Dezibel und mehr.
Schritt 1: den Hörplatz zuerst festlegen
Der häufigste Fehler ist, die Lautsprecher zu optimieren und den Hörplatz als gegeben zu betrachten. Fangen Sie umgekehrt an. Zwei Positionen sind besonders ungünstig: direkt an der Rückwand und exakt in der Raummitte. An der Wand liegt das Druckmaximum aller Längsmoden, in der Mitte fällt die Grundmode in ihre Nullstelle, der Bass wirkt dort dünn.
Als Faustregel funktioniert eine Position bei etwa 38 Prozent der Raumlänge, von der Frontwand aus gemessen. Das ist keine magische Zahl, sondern ein Kompromiss, der die ersten drei Längsmoden gleichzeitig entschärft. Probieren Sie im Bereich zwischen 35 und 45 Prozent in Schritten von zehn Zentimetern und hören Sie dabei ein Stück mit durchlaufender Basslinie, siehe Referenzaufnahmen.
Schritt 2: das Dreieck aufbauen
Lautsprecher und Hörplatz bilden ein Dreieck, dessen Seiten etwa gleich lang sind. Bei drei Metern Basisbreite sitzen Sie also rund drei Meter von der gedachten Verbindungslinie entfernt. Weiter auseinander reißt die Mitte auf, enger schrumpft die Bühne.
Der Abstand zur Rückwand hinter den Lautsprechern bestimmt, wie viel Bass zurückkommt und mit welcher Verzögerung. Zwischen 40 Zentimetern und gut einem Meter liegt der übliche Bereich, ausprobiert wird in Schritten von zehn Zentimetern. Bassreflexboxen mit rückwärtiger Öffnung reagieren darauf besonders stark, siehe Gehäusebauformen.
Zu den Seitenwänden gilt: nicht symmetrisch gleich weit wie zur Rückwand. Wenn Wandabstand hinten und seitlich zusammenfallen, verstärken sich die Reflexionen gegenseitig. Ein Unterschied von mindestens 30 Zentimetern verteilt sie besser.
Schritt 3: Einwinkelung
Drehen Sie die Lautsprecher so weit ein, dass die Achsen sich hinter Ihrem Kopf kreuzen, und hören Sie. Dann weiter einwinkeln, bis sie sich vor dem Kopf kreuzen. Irgendwo dazwischen liegt der Punkt, an dem die Mitte stabil steht, ohne dass die Bühne schmal wird.
Was dabei tatsächlich passiert: Sie verändern das Verhältnis von Direktschall zu Seitenwandreflexion. Stark eingewinkelte Lautsprecher schicken weniger Energie zur Seitenwand, die Abbildung wird präziser und trockener. Gerade ausgerichtete klingen räumlicher, aber diffuser.
Schritt 4: Der Symmetriecheck
Messen Sie die Abstände beider Lautsprecher zur jeweils nächsten Seitenwand nach. Unterschiede von mehr als zehn Zentimetern führen dazu, dass die Reflexionen links und rechts zu verschiedenen Zeiten eintreffen, und das verschiebt die Bühne hörbar. Wenn die Raumgeometrie keine Symmetrie zulässt, etwa bei einer offenen Küche auf einer Seite, hilft nur gezielte Bedämpfung der stärker reflektierenden Seite, siehe Absorber und Materialien.
Was man in dieser Reihenfolge nicht tun sollte
Vor der Aufstellung in Raumkorrektur oder Kabel zu investieren, ist verlorene Zeit. Digitale Einmessung kann Überhöhungen absenken, aber eine Auslöschung durch eine Modennullstelle lässt sich nicht auffüllen, weil an dieser Stelle schlicht kein Schalldruck vorhanden ist. Erst die Position, dann die Absorption, dann die Elektronik.
Ein kurzer Praxishinweis zum Vorgehen: Ändern Sie immer nur eine Größe und hören Sie dasselbe kurze Stück. Wer Wandabstand, Einwinkelung und Hörplatz gleichzeitig verändert, kommt nach einer Stunde an einen Punkt, an dem er nicht mehr weiß, welcher Schritt was gebracht hat. Notieren Sie die Positionen mit Klebeband auf dem Boden, dann ist der Rückweg jederzeit möglich.
Häufige Fragen
- Müssen Lautsprecher immer eingewinkelt werden?
- Nein, das hängt vom Abstrahlverhalten ab. Lautsprecher mit gleichmäßigem Abfall zur Seite funktionieren oft gerade ausgerichtet besser, weil dann weniger Direktschall zur Seitenwand geht. Probieren Sie beides, der Unterschied in der Abbildung ist deutlich.
- Wie wichtig sind Spikes und Absorberfüße?
- Sie entkoppeln das Gehäuse vom Boden und verhindern, dass Vibrationen in den Estrich wandern. Auf hörbaren Klanggewinn sollte man nicht setzen, auf sichere Standfestigkeit schon. Bei Holzdielen ist die Wirkung deutlicher als auf Beton.
- Der beste Platz im Raum ist bei mir schon durch das Sofa belegt. Und jetzt?
- Dann ziehen Sie das Sofa mindestens zehn Zentimeter von der Wand ab. Direkt an der Rückwand sitzt man im Druckmaximum aller Längsmoden, dort ist der Bass am unkontrolliertesten. Schon ein kleiner Abstand bringt hörbar mehr Definition.
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