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Raumakustik

Absorber und Materialien im Vergleich

Die Dicke entscheidet über die Wirkfrequenz, nicht der Preis. Warum zehn Zentimeter Schaumstoff im Bass nichts bewirken.

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Faustregel poröser Absorber
wirksam ab etwa einem Zehntel der Wellenlänge Dicke
5 cm Material
wirkt etwa ab 700 Hz
20 cm Material
wirkt etwa ab 170 Hz
Wandabstand
verschiebt die Wirkung nach unten, ohne Materialdicke

Akustikmaterial wird meist nach Aussehen und Preis ausgewählt und deshalb regelmäßig falsch eingesetzt. Die entscheidende Größe ist banal: die Dicke. Sie bestimmt, ab welcher Frequenz ein poröser Absorber überhaupt arbeitet.

Poröse Absorber

Poröse Materialien wie Mineralwolle, Basotect oder Hanffasermatten entziehen der Luftbewegung Energie durch Reibung. Sie wirken dort, wo die Luft sich schnell bewegt. Direkt an einer schallharten Wand ist die Schnelle jedoch null, dort steht der Druck. Deshalb bringt ein dünner Absorber flach an der Wand für tiefe Frequenzen fast nichts.

Als Faustregel gilt: Wirksam wird ein poröser Absorber ab einer Dicke von etwa einem Zehntel der Wellenlänge. Das ergibt folgende Größenordnungen.

MaterialdickeWirksam etwa abTypischer Einsatz
5 cm700 HzErstreflexion Hochton, Sprachverständlichkeit
10 cm340 HzMitten, Flatterecho
20 cm170 HzGrundton, obere Moden
40 cm oder Eckaufbauunter 90 HzBassbereich

Ein wirksamer Trick spart Material: Wandabstand. Hängt der Absorber zehn Zentimeter vor der Wand, verschiebt sich seine Wirkung nach unten, als wäre er dicker. Der Luftraum dahinter liegt näher am Schnelle-Maximum.

Beim Strömungswiderstand gilt: Zu dichtes Material reflektiert, zu offenes lässt den Schall ungehindert passieren. Für den Selbstbau haben sich Dämmstoffe mit mittlerem Strömungswiderstand bewährt, wie sie im Trockenbau üblich sind.

Plattenschwinger und Helmholtzresonatoren

Beide wirken schmalbandig und gezielt. Ein Plattenschwinger besteht aus einer Platte vor einem gedämpften Luftvolumen, die bei ihrer Resonanzfrequenz mitschwingt und Energie in Reibung umsetzt. Ein Helmholtzresonator nutzt ein Luftvolumen mit Öffnung, vergleichbar mit einer angeblasenen Flasche.

Ihr Vorteil ist die Wirkung im Bass bei geringer Bautiefe, ihr Nachteil die notwendige Berechnung. Wer die Resonanzfrequenz um zwanzig Hertz verfehlt, hat ein Möbelstück gebaut. Sinnvoll sind sie deshalb erst, wenn die Problemfrequenz gemessen wurde, siehe Raummoden und Bass.

Diffusoren

Diffusoren absorbieren nicht, sie streuen. Sie sind sinnvoll an der Rückwand hinter dem Hörplatz und in Räumen, die bereits ausreichend bedämpft sind, aber tot wirken. In einem kleinen Wohnzimmer mit weniger als drei Metern Abstand zur Rückwand sind sie meist wirkungslos, weil der Abstand für die Streuung zu gering ist.

Was im Wohnraum schon vorhanden ist

Ein möbliertes Wohnzimmer ist akustisch nicht leer. Ein Sofa, ein Teppich auf Estrich, gefüllte Regale und schwere Vorhänge zusammen entsprechen einer beträchtlichen Absorptionsfläche im Mittel- und Hochtonbereich. Ein volles Bücherregal an der Rückwand ist zugleich ein brauchbarer Diffusor.

Der Bass bleibt davon unberührt. Genau deshalb ist die typische Wohnzimmersituation zu stark im Hochton bedämpft und zu wenig im Bass. Wer nur weitere dünne Absorber aufhängt, verstärkt dieses Missverhältnis.

Die sinnvolle Reihenfolge

  1. Aufstellung optimieren, das kostet nichts.
  2. Erste Reflexionspunkte an Seitenwänden und Decke behandeln, mit mindestens zehn Zentimetern Material.
  3. Raumecken breitbandig bedämpfen, mit möglichst viel Tiefe.
  4. Nachhallzeit messen und prüfen, ob der Raum bereits zu trocken wird, siehe Nachhallzeit messen.
  5. Erst dann über Diffusoren oder elektronische Korrektur nachdenken.

Häufige Fragen

Sind Eierkartons als Absorber brauchbar?
Nein. Sie streuen etwas im Hochton und absorbieren praktisch nichts. Der Effekt, den man wahrnimmt, entsteht meist durch die gleichzeitig aufgehängten Decken oder Vorhänge.
Wie viel Fläche muss bedämpft werden?
In möblierten Wohnräumen reichen oft 10 bis 20 Prozent der Wandfläche, gezielt platziert. Entscheidend ist die Position an den ersten Reflexionspunkten, nicht die Gesamtmenge.
Kann ein Raum zu stark bedämpft werden?
Ja, und das passiert häufiger als gedacht. Wenn nur Hochton absorbiert wird, weil das Material dünn ist, bleibt der Bass stehen und der Raum klingt dumpf und leblos. Breitbandige Absorption ist deshalb besser als viel dünnes Material.

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