Raumakustik
Raumgröße und Raumform
Ein Raum mit ungünstigen Proportionen häuft Moden auf denselben Frequenzen. Was man daran ändern kann und was nicht.
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Die Abmessungen eines Raums legen fest, wo seine Eigenfrequenzen liegen. Ungünstig ist nicht eine bestimmte Größe, sondern eine Proportion, bei der viele Moden auf dieselbe Frequenz fallen. Dann entstehen wenige, dafür sehr kräftige Überhöhungen statt vieler kleiner, die sich gegenseitig ausgleichen.
Warum Seitenverhältnisse zählen
In einem Raum von fünf mal fünf Metern liegen Längs- und Quermode exakt übereinander, bei etwa 34 Hertz und allen Vielfachen. Diese Frequenzen werden doppelt angeregt, dazwischen bleibt eine Lücke. Hörbar ist das als ein einzelner dröhnender Bereich und ein danebenliegender, in dem der Bass fehlt.
Ist der Raum dagegen fünf mal 3,6 Meter, liegen die Moden bei 34 und 48 Hertz und verteilen sich mit ihren Vielfachen deutlich gleichmäßiger. Genau darauf zielen die bekannten Proportionsempfehlungen für Studios ab. Sie sind kein Geheimwissen, sondern das Ergebnis derselben Rechnung über viele Kombinationen.
Für den Wohnraum ist das meist eine theoretische Übung, denn die Wände stehen schon. Nützlich bleibt die Rechnung trotzdem: Wer weiß, dass sein Raum zwei Moden übereinanderlegt, sucht die Ursache seiner Bassprobleme nicht mehr beim Lautsprecher.
Raumgröße und Grenzfrequenz
Je kleiner der Raum, desto höher liegt die tiefste Mode und desto weiter reicht der problematische Bereich nach oben. In einem Raum von drei mal vier Metern beginnt der Modenbereich erst bei etwa 43 Hertz und reicht bis über 300 Hertz. In einem großen Wohnzimmer von sieben Metern Länge beginnt er bei 24 Hertz, und die Moden liegen von Anfang an dichter beieinander.
Daraus folgt eine praktische Konsequenz für die Lautsprecherwahl: In kleinen Räumen bringt ein sehr tief reichender Standlautsprecher wenig, weil der Raum den Bereich unterhalb von 40 Hertz ohnehin unkontrolliert wiedergibt. Kompakte Lautsprecher mit sauberem Grundton sind dort oft die bessere Wahl, siehe Standlautsprecher oder Regallautsprecher.
Formen, die Schwierigkeiten machen
Der schlauchförmige Raum. Bei sehr langem, schmalem Grundriss dominieren die Längsmoden, und die Stereobasis wird zwangsläufig eng. Aufstellung an der kurzen Wand ist meist die bessere Variante, auch wenn der Hörabstand dann größer ausfällt.
Parallele, kahle Wände. Sie erzeugen Flatterechos, hörbar als metallisches Zirpen nach einem Händeklatschen. Ein Bild, ein Regal oder ein Vorhang auf einer der beiden Seiten reicht oft schon.
Die offene Küche auf einer Seite. Sie zerstört die Symmetrie. Der Schall wandert dort weiter, während er auf der anderen Seite reflektiert wird. Das Ergebnis ist eine Bühne, die zur geschlossenen Seite kippt, und ein deutlich unterschiedlicher Halleindruck links und rechts.
Große Fensterfronten. Glas reflektiert im Hochton fast vollständig und schwingt im Bass leicht mit. Schwere Vorhänge sind hier die einfachste wirksame Maßnahme, wobei sie erst ab einem gewissen Flächengewicht und mit Falten wirklich absorbieren.
Was sich ändern lässt
Die Raumform selbst ist meist gegeben. Was Sie beeinflussen können, ist die Hörachse: entlang der Länge, entlang der Breite oder diagonal. Ein diagonaler Aufbau bricht die Modenstruktur auf und ist gerade in quadratischen Räumen die wirksamste Maßnahme überhaupt, auch wenn er einrichtungstechnisch unbeliebt ist.
Der zweite Hebel ist die Verteilung der Absorption. Die Eckbereiche sind dabei die wirksamste Fläche, weil dort alle Moden ein Druckmaximum haben. Wer nur an einer Stelle im Raum arbeiten kann, arbeitet in den Ecken, siehe Absorber und Materialien.
Häufige Fragen
- Ist ein quadratischer Raum wirklich so schlecht?
- Ja, denn Länge und Breite erzeugen Moden auf identischen Frequenzen, die sich addieren statt sich zu verteilen. Die Folge sind wenige, dafür sehr kräftige Überhöhungen. Abhilfe schaffen eine diagonale Aufstellung und konsequente Eckabsorption.
- Hilft eine hohe Decke?
- Sie verschiebt die vertikalen Moden nach unten und erhöht das Volumen, was die Modendichte insgesamt verbessert. Dachschrägen wirken zusätzlich günstig, weil sie parallele Flächen vermeiden.
- Kann ein offener Wohnbereich von Vorteil sein?
- Akustisch oft ja, weil sich stehende Wellen schlechter ausbilden. Der Nachteil ist die fehlende Symmetrie: Wenn links eine Wand steht und rechts der Raum weiterläuft, wandert die Bühne. Das muss durch gezielte Bedämpfung der Wandseite ausgeglichen werden.
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