Lautsprecher
Gehäusebauformen im Vergleich
Die Bauform entscheidet, was aus einem Chassis im Bass wird. Sechs Konzepte und ihre jeweiligen Zugeständnisse.
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Die Rückseite der Membran erzeugt genauso viel Schall wie die Vorderseite, nur gegenphasig. Ohne Gehäuse löschen sich beide bei tiefen Frequenzen weitgehend aus. Wie eine Konstruktion mit dieser Rückseite umgeht, ist die eigentliche Frage der Bauform.
Geschlossen
Die Rückseite wird eingesperrt. Das Luftvolumen wirkt als Feder und bestimmt zusammen mit der bewegten Masse die Resonanzfrequenz. Der Pegel fällt unterhalb davon mit 12 Dezibel je Oktave, also vergleichsweise flach.
Vorteile: gutmütiges Verhalten, geringe Gruppenlaufzeit, unkritisch bei Wandnähe, mechanischer Schutz des Chassis bei tiefen Frequenzen. Nachteile: geringerer Wirkungsgrad im Bass und weniger Tiefgang bei gleichem Volumen.
Bassreflex
Ein abgestimmter Kanal koppelt die Rückseite phasengedreht nach außen und erweitert den Bass nach unten. Unterhalb der Abstimmfrequenz fällt der Pegel steil mit 24 Dezibel je Oktave, und die Membran verliert die Luftfederung, wird also mechanisch stärker belastet.
Vorteile: mehr Tiefgang und höherer Wirkungsgrad bei gleichem Volumen. Nachteile: mehr Gruppenlaufzeit im Bass, Strömungsgeräusche bei zu kleinem Kanalquerschnitt, größere Empfindlichkeit gegenüber der Aufstellung, siehe Aufstellung und Hörplatz.
Passivmembran
Statt eines Kanals arbeitet eine antriebslose Membran. Akustisch ähnlich zu Bassreflex, ohne Strömungsgeräusche und mit geringerem Platzbedarf. Dafür kommt eine bewegte Masse hinzu, die abgestimmt werden muss, und ein zusätzliches Bauteil, das mechanisch altern kann.
Transmissionline
Ein gefalteter, bedämpfter Kanal hinter der Membran, dessen Länge etwa einem Viertel der Wellenlänge der Abstimmfrequenz entspricht. Sauber ausgeführt ergibt das tiefen Bass mit gleichmäßigem Verlauf. Der Aufwand ist hoch, und Fehler in der Bedämpfung erzeugen ausgeprägte Welligkeiten.
Horn
Ein sich öffnender Trichter verbessert die Ankopplung an die Luft und erhöht den Wirkungsgrad deutlich, häufig um mehr als zehn Dezibel. Zugleich definiert die Geometrie das Abstrahlverhalten. Für den Bass ist die nötige Größe im Wohnraum meist prohibitiv, für Mittel- und Hochton ist die Bauform verbreitet, besonders in der Beschallung, siehe PA und Instrumentenlautsprecher.
Dipol und offene Schallwand
Die Rückseite bleibt offen, Vorder- und Rückseite strahlen gegenphasig ab. Zu tiefen Frequenzen hin nimmt die Auslöschung zu, was einen Abfall von 6 Dezibel je Oktave ergibt und viel Membranfläche erfordert. Der Vorteil liegt in der seitlichen Auslöschung: Es geht wenig Energie zu den Seitenwänden, was die Raumanregung reduziert. Der Nachteil ist der große Wandabstand, siehe Elektrostaten.
Was das für die Auswahl heißt
In kleinen Räumen mit unbehandelter Akustik ist eine geschlossene oder moderat abgestimmte Konstruktion oft die bessere Wahl, weil sie den Raum weniger anregt und wandnäher aufgestellt werden kann. In größeren Räumen mit Platz für Wandabstand spielen Bassreflex und Dipol ihre Vorteile aus.
Häufige Fragen
- Klingt geschlossen wirklich trockener als Bassreflex?
- Der Unterschied liegt in der Flankensteilheit und damit in der Gruppenlaufzeit. Geschlossen fällt der Pegel mit 12 Dezibel je Oktave, Bassreflex mit 24, entsprechend höher ist dort die Verzögerung der tiefsten Töne. Das ist die technische Grundlage des trockeneren Eindrucks.
- Kann ich den Bassreflexkanal verschließen?
- Damit wird das Gehäuse geschlossen, allerdings mit einem Volumen, das für diese Betriebsart nicht ausgelegt ist. Die Resonanzfrequenz steigt, der Tiefgang sinkt. Als Notlösung gegen Dröhnen im Raum ist es trotzdem oft ein Versuch wert.
- Warum sind Hörner so selten im Wohnzimmer?
- Weil ein Horn für tiefe Frequenzen sehr groß werden muss. Für Mittel- und Hochton sind Hörner dagegen verbreitet, dort liefern sie hohen Wirkungsgrad und definierte Bündelung.
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