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Gehäusematerialien und Verarbeitung

Ein Gehäuse soll still bleiben. Wie gut das gelingt, hängt an Steifigkeit, innerer Dämpfung und Verstrebung, nicht am Markennamen des Materials.

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Das Gehäuse soll das Volumen begrenzen und ansonsten nichts tun. Jede mitschwingende Fläche strahlt Schall ab, der zeitversetzt und mit eigener Klangfarbe zum Nutzsignal hinzukommt.

Die üblichen Werkstoffe

MDF. Homogen, in alle Richtungen gleich steif, gut zu bearbeiten und mit brauchbarer innerer Dämpfung. Der Standard im Lautsprecherbau. Nachteile sind das hohe Gewicht und die Empfindlichkeit gegen Feuchtigkeit an unbehandelten Kanten.

Multiplex und Sperrholz. Höhere Steifigkeit bei geringerem Gewicht, attraktive Kanten. Dafür teurer, in der Bearbeitung anspruchsvoller und je nach Qualität mit Fehlstellen im Inneren.

Massivholz. Optisch reizvoll, aber richtungsabhängig steif und arbeitet mit der Luftfeuchte. Für große Flächen ungünstig, für Rahmenkonstruktionen mit eingesetzten Füllungen praktikabel.

Mineralwerkstoffe und Beton. Sehr hohe Masse und gute Dämpfung, entsprechend schwer und aufwendig zu fertigen. In Kleinserien und im Selbstbau als Front- oder Bodenplatte anzutreffen.

Aluminium und Verbundkonstruktionen. Sehr steif, aber wenig gedämpft, weshalb Resonanzen scharf ausgeprägt sind und gezielt bedämpft werden müssen. Typisch für aufwendige Konstruktionen mit innerer Sandwichstruktur.

Was mehr zählt als das Material

Verstrebung. Streben zwischen gegenüberliegenden Wänden halbieren die freie Fläche und heben die Resonanz in einen Bereich, in dem weniger Energie anliegt. Der wirksamste Eingriff überhaupt.

Geometrie. Nicht parallele Wände verhindern stehende Wellen im Inneren. Gerundete oder angeschrägte Kanten reduzieren Sekundärabstrahlung an der Schallwand.

Innere Bedämpfung. Dämmmaterial unterdrückt stehende Wellen zwischen den Innenwänden, die sonst durch die Membran nach außen dringen, siehe Gehäusebau.

Entkopplung des Chassis. Weiche Zwischenlagen verhindern, dass Vibrationen aus dem Chassiskorb in die Schallwand wandern.

Wie sich Gehäusefehler zeigen

Im Wasserfalldiagramm als stehende Grate zwischen etwa 200 und 600 Hertz, im Hörtest als Kastigkeit bei männlichen Stimmen und Cello. Mit der Hand auf der Seitenwand lässt sich das grob prüfen: Eine deutlich fühlbare Vibration bei kräftigem Bass ist ein Hinweis, wobei kleine Bewegungen normal sind.

Nachhaltigkeit und Praxis

Holzwerkstoffe aus zertifizierter Forstwirtschaft, formaldehydarme Verleimung und wasserbasierte Oberflächen sind inzwischen verbreitet. Akustisch macht das keinen Unterschied, für den Innenraum aber sehr wohl.

Wichtiger für die Umweltbilanz ist ohnehin die Lebensdauer. Ein reparierbarer Lautsprecher mit verfügbaren Sicken und Chassis bleibt Jahrzehnte im Einsatz, siehe Reparatur und Sicken. Das schlägt jede Materialentscheidung.

Häufige Fragen

Ist Massivholz akustisch besser?
Nicht per se. Massivholz arbeitet mit der Luftfeuchte, was bei großen Flächen zu Rissen führen kann, und es ist anisotrop, also richtungsabhängig steif. Für Gehäusekorpusse werden deshalb meist Plattenwerkstoffe verwendet, Massivholz eher für Rahmen und Zierteile.
Sind schwere Gehäuse automatisch besser?
Masse allein hilft wenig, wenn die Fläche schwingen kann. Entscheidend ist die Kombination aus Steifigkeit und Dämpfung. Eine gut verstrebte leichtere Konstruktion schlägt eine schwere ohne Verstrebung.
Wie erkenne ich ein gut gebautes Gehäuse?
Klopfprobe an mehreren Stellen: Ein dumpfer, kurzer Ton spricht für Steifigkeit und Dämpfung, ein heller Nachklang für eine schwingende Fläche. Zusätzlich lohnt der Blick durch die Chassisöffnung auf Verstrebungen und Bedämpfung.

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