Zum Inhalt springen
msw
Suche

Schallwandler

Membranmaterialien im Vergleich

Drei Eigenschaften konkurrieren: leicht, steif, gut bedämpft. Kein Material bietet alle drei, deshalb gibt es so viele.

Zuletzt geprüft am

Ziel 1
geringe Masse für hohen Wirkungsgrad
Ziel 2
hohe Steifigkeit gegen Aufbrechen
Ziel 3
innere Dämpfung gegen Resonanzen
Realität
jedes Material erfüllt höchstens zwei

Eine ideale Membran wäre masselos, unendlich steif und vollständig bedämpft. Real konkurrieren diese drei Ziele. Wer Steifigkeit erhöht, bekommt meist mehr Masse oder weniger Dämpfung; wer Dämpfung erhöht, verliert Steifigkeit.

Die üblichen Materialien

Papier und Zellulose. Leicht, mit guter innerer Dämpfung, breites Spektrum an Rezepturen durch Beimischungen und Beschichtungen. Das Aufbrechen setzt früh, aber weich ein, was zu einem gutmütigen Verhalten führt. Empfindlich gegen Feuchtigkeit, sofern nicht beschichtet.

Polypropylen und andere Kunststoffe. Sehr gut bedämpft, unempfindlich, günstig, dafür weniger steif. Typisch für Chassis im Mittelfeld und für Anwendungen mit Feuchtigkeit, etwa Auto- und Outdoor-Lautsprecher.

Aluminium und Magnesium. Hohe Steifigkeit bei mäßiger Masse, dadurch kolbenförmiges Verhalten über einen weiten Bereich. Die erste Resonanz liegt oberhalb des Nutzbereichs, ist dort aber sehr scharf ausgeprägt und muss von der Weiche unterdrückt werden.

Keramik und eloxierte Aluminiumoberflächen. Noch steifer, mit noch höher liegender, noch schärferer Resonanz. Die Anforderungen an die Weiche steigen entsprechend.

Beryllium. Herausragendes Verhältnis von Steifigkeit zu Dichte, in Hochtonkalotten oberster Preisklassen eingesetzt. Teuer und in der Verarbeitung anspruchsvoll.

Verbundwerkstoffe und Sandwichaufbauten. Zwei steife Deckschichten mit einem dämpfenden Kern kombinieren Steifigkeit und Dämpfung. Der Aufwand liegt in der Verbindung der Schichten, die selbst nicht resonieren darf.

Gewebe für Kalotten. Beschichtete Seide oder Kunstfasern sind gut bedämpft und gutmütig, dafür weniger steif. Ihr Aufbrechen ist breitbandig und weich, was den Einsatz auch bei tieferer Trennung erlaubt.

Wie man die Unterschiede prüft

Der aussagekräftigste Blick geht in das Zerfallsspektrum. Materialresonanzen zeigen sich dort als schmale, lange stehende Grate, meist zwischen 5 und 25 Kilohertz. Ob eine solche Resonanz stört, hängt davon ab, wie weit sie außerhalb des Übertragungsbereichs liegt und wie stark die Weiche sie absenkt.

Zweiter Prüfpunkt ist der Klirrverlauf: Eine Membran, die früh in Teilschwingungen gerät, produziert im oberen Bereich ihres Einsatzgebiets steigende Verzerrungen.

Was daraus folgt

Das Material allein ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, ob die Konstruktion die Schwächen des Materials berücksichtigt: eine Metallmembran mit ausreichend steiler Trennung unterhalb ihrer Resonanz, eine Papiermembran mit passendem Einsatzbereich, eine Sandwichmembran mit sauberer Verklebung.

Wer im Datenblatt nur den Materialnamen findet, aber keine Messung, hat kein Argument für eine Kaufentscheidung. Wer beides hat, kann beurteilen, ob das Konzept aufgeht.

Häufige Fragen

Ist Beryllium wirklich besser?
Es hat ein außergewöhnliches Verhältnis von Steifigkeit zu Dichte und verschiebt die erste Resonanz einer Hochtonkalotte weit über den Hörbereich. Das ist ein echter technischer Vorteil, der aber teuer erkauft ist und in der Fertigung besondere Schutzmaßnahmen erfordert.
Warum wird Papier immer noch verwendet?
Weil es eine für den Zweck sehr gute innere Dämpfung mitbringt und leicht ist. Sein Aufbrechen verläuft weich und gutmütig statt als scharfe Resonanz. Moderne Papiermembranen sind beschichtet und in ihrer Zusammensetzung genau abgestimmt.
Klingt Metall metallisch?
Nicht das Material, sondern seine Resonanz. Alu- und Keramikmembranen brechen weit oberhalb des Übertragungsbereichs mit einer scharfen Spitze auf. Wird sie durch die Weiche ausreichend unterdrückt, ist sie unhörbar. Geschieht das nicht, hört man sie als Schärfe.

Weiterlesen

Lautsprecher

Gehäusematerialien und Verarbeitung

Ein Gehäuse soll still bleiben. Wie gut das gelingt, hängt an Steifigkeit, innerer Dämpfung und Verstrebung, nicht am Markennamen des Materials.