Selbstbau
Gehäusebau: Grundlagen
Das Gehäuse soll nichts tun außer stillhalten und das Volumen begrenzen. Beides ist schwerer, als es klingt.
Zuletzt geprüft am
- Standardmaterial
- MDF 19 mm, Multiplex 18 mm
- Verstrebung
- ab etwa 25 cm freier Wandlänge sinnvoll
- Dämmmaterial
- Polyesterwatte oder Schafwolle, locker eingebracht
- Kantenradius
- ab 15 mm hörbar wirksam gegen Kantenreflexion
Ein Lautsprechergehäuse hat zwei Aufgaben: Es trennt die Rückseite der Membran von der Vorderseite, damit sich beide nicht auslöschen, und es begrenzt ein definiertes Luftvolumen, das als Feder auf die Membran wirkt. Alles, was es darüber hinaus tut, ist ein Fehler.
Material und Wandstärke
Für den Selbstbau haben sich 19 Millimeter MDF oder 18 Millimeter Multiplex durchgesetzt. Beide sind steif genug, sofern die Flächen nicht zu groß bleiben. Entscheidend ist nicht die Wandstärke allein, sondern das Verhältnis von Steifigkeit zu freier Fläche: Eine 19 Millimeter starke Wand von 60 mal 25 Zentimetern schwingt deutlich, dieselbe Wand mit einer Verstrebung in der Mitte kaum noch.
Die Resonanz einer schwingenden Wand liegt typischerweise zwischen 200 und 500 Hertz, also mitten im Grundtonbereich. Sie ist im Wasserfalldiagramm als stehender Grat sichtbar und klingt nach Kastigkeit.
Verstrebungen
Wirksam sind Streben, die gegenüberliegende Wände miteinander verbinden, weil sie die freie Fläche halbieren und gleichzeitig versteifen. Übliche Ausführungen sind Ringstreben mit großen Ausschnitten, damit der Luftstrom nicht behindert wird, oder Matrixstreben aus mehreren gekreuzten Platten.
Als Faustregel gilt: Ab etwa 25 Zentimetern freier Wandlänge lohnt eine Strebe. Bei schmalen Standboxen ist die Rückwand die kritische Fläche, bei breiten Gehäusen die Seitenwände.
Bedämpfung im Inneren
Dämmmaterial hat zwei Funktionen. Es unterdrückt stehende Wellen zwischen parallelen Innenwänden, die sonst als schmalbandige Resonanzen durch die Membran nach außen dringen. Und es verlangsamt die Schallausbreitung im Volumen, was bei geschlossenen Gehäusen einer leichten Volumenvergrößerung entspricht.
Verwendet werden Polyesterwatte, Schafwolle oder Sonofil. Wichtig ist lockeres Einbringen: Fest gestopftes Material verliert seine Wirkung, weil sich die Luft nicht mehr bewegen kann. Bei Bassreflex bleibt der Bereich um den Kanal frei, sonst verschiebt sich die Abstimmung.
Schallwand und Kanten
Die Schallwand entscheidet über das Abstrahlverhalten im Mittelhochton. Scharfe Kanten erzeugen Sekundärschallquellen: Die Schallwelle läuft über die Fläche, erreicht die Kante und wird dort erneut abgestrahlt, zeitversetzt zum Direktschall. Das ergibt Welligkeiten im Frequenzgang und eine unruhigere Abbildung.
Abhilfe schaffen große Radien ab etwa 15 Millimetern, angeschrägte Kanten oder eine Filzauflage. Ebenso wirksam ist eine asymmetrische Anordnung der Chassis auf der Schallwand, weil die Kantenabstände dann unterschiedlich sind und sich die Effekte über die Frequenz verteilen.
Reihenfolge beim Bau
- Volumen und Abstimmung festlegen, bevor gesägt wird. Die Parameter des Chassis geben es vor, siehe Bausatz oder Eigenentwicklung.
- Zuschnitt möglichst im Baumarkt oder Schreinerei machen lassen, Winkelgenauigkeit ist wichtiger als Handarbeit.
- Verstrebungen und Chassisausschnitte vor dem Verleimen einbringen.
- Verleimen, dabei Zwingen großzügig einsetzen.
- Kanten runden, Oberfläche behandeln.
- Dämmung einbringen, Chassis einsetzen, Dichtigkeit prüfen.
- Messen, bevor die Weiche final aufgebaut wird, siehe Weiche entwickeln.
Häufige Fragen
- MDF oder Multiplex?
- MDF ist homogen, günstig, leicht zu bearbeiten und akustisch gut berechenbar, aber schwer und feuchteempfindlich. Multiplex ist steifer bei gleichem Gewicht und optisch attraktiver, dafür teurer und in der Verarbeitung anspruchsvoller. Für den ersten Bau ist MDF die sichere Wahl.
- Wie viel Dämmmaterial gehört hinein?
- Bei geschlossenen Gehäusen darf locker gefüllt werden, das wirkt wie eine leichte Volumenvergrößerung. Bei Bassreflex nur die Wände auskleiden und den Bereich um den Kanal frei lassen, sonst bedämpfen Sie die Abstimmung weg.
- Muss das Gehäuse absolut luftdicht sein?
- Bei geschlossenen Konstruktionen ja, jede Undichtigkeit verändert die Abstimmung und erzeugt Strömungsgeräusche. Prüfen lässt sich das, indem man die Membran langsam eindrückt: Sie muss langsam und gleichmäßig zurückkommen.
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