Messtechnik
Testberichte und Messwerte lesen
Ein Testbericht ist so viel wert wie die Angaben zu seinen Messbedingungen. Eine Checkliste, mit der Sie Berichte in fünf Minuten einordnen.
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Testberichte sind eine nützliche Vorauswahl und ein schlechter Ersatz für das eigene Hören. Wer sie richtig liest, spart sich trotzdem viele Hörtermine, weil sich ein großer Teil der Kandidaten schon am Datenblatt aussortieren lässt.
Die Checkliste
Sind Messbedingungen angegeben? Abstand, Winkel, Glättung, Umgebung. Fehlen sie, ist die Kurve dekorativ. Ein Bericht, der stattdessen nur einen glatten Verlauf zeigt, hat für den Vergleich keinen Wert.
Gibt es Kurven unter Winkel? Das Abstrahlverhalten sagt mehr über den Klang im Wohnraum als der Verlauf auf Achse, weil Sie den seitlich abgestrahlten Schall über Reflexionen mithören.
Gibt es Klirrmessungen bei mehreren Pegeln? Nur so erkennt man die praktische Belastungsgrenze, siehe Klirrfaktor.
Ist der Impedanzverlauf abgebildet? Er verrät, ob ein Verstärker in Schwierigkeiten kommt, und zeigt am Höcker im Bass die Gehäuseabstimmung, siehe Impedanz verstehen.
Wird das Zeitverhalten gezeigt? Sprungantwort oder Wasserfall sind ein Zeichen, dass sorgfältig gemessen wurde.
Steht dabei, was nicht gefallen hat? Ein Bericht ohne einen einzigen Kritikpunkt ist kein Bericht.
Herstellerdatenblätter
In Datenblättern sind drei Angaben regelmäßig geschönt.
Der Frequenzumfang ohne Toleranzangabe. Erst mit Grenze, also etwa plus minus 3 Dezibel, wird die Zahl überprüfbar. Ohne Grenze kann jede Box mit 25 Hertz beworben werden, wenn dort noch irgendetwas messbar ist.
Der Kennschalldruck, gelegentlich in zwei Meter Abstand oder mit Halbraumbezug gemessen, was jeweils ein paar Dezibel schenkt. Sinnvoll ist die Angabe für ein Watt bei einem Meter im Vollraum.
Die Impedanz als Nennwert. Angegeben werden acht Ohm, während das Minimum bei drei Ohm liegt. Für die Verstärkerwahl zählt das Minimum.
Nützlich und meist ehrlich sind dagegen die Angaben zu Chassisbestückung, Gehäusevolumen, Abstimmfrequenz und Trennfrequenzen. Daraus lässt sich viel über das Konzept ableiten.
Historische Testberichte einordnen
Ältere Berichte, etwa aus den 1990er Jahren, sind für die technische Einordnung eines gebrauchten Lautsprechers weiterhin brauchbar, wenn man zwei Dinge berücksichtigt. Erstens haben sich die Messverfahren verändert, insbesondere die Auflösung und die Fenstertechnik, sodass ältere Kurven glatter aussehen. Zweitens ist die Klangbeschreibung an den damaligen Referenzen orientiert.
Was dagegen unverändert gilt, sind Bauform, Chassisgrößen, Abstimmung und Impedanzverlauf. Wer einen älteren Lautsprecher gebraucht kauft, findet in solchen Berichten häufig die einzigen verfügbaren Messungen, siehe auch Fachhandel und Direktvertrieb.
Der Umgang mit Auszeichnungen
Testsiegel, Jahresbestenlisten und Referenzklassen sind Marketinginstrumente, die auf einer Redaktionsentscheidung beruhen. Sie sind kein Messergebnis und übertragen sich nicht auf Ihren Raum. Nutzen Sie sie als Hinweis darauf, dass ein Gerät überhaupt getestet wurde, und lesen Sie dann die Messwerte.
Häufige Fragen
- Sind Klangurteile in Punkten vergleichbar?
- Innerhalb einer Redaktion und einer Preisklasse begrenzt, darüber hinaus nicht. Punktesysteme werden meist an der Preisklasse normiert, deshalb bedeutet dieselbe Punktzahl in zwei Klassen nicht dieselbe Leistung.
- Was ist von Belastbarkeitsangaben in Watt zu halten?
- Wenig. Die Angabe sagt, was das Chassis thermisch aushält, nicht wie laut es spielt. Für die erreichbare Lautstärke ist der Kennschalldruck entscheidend, siehe Wirkungsgrad.
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