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Aufnahmequalität erkennen

Die Aufnahme setzt die Obergrenze für alles, was danach kommt. Sechs Merkmale, an denen sich Qualität festmachen lässt.

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Eine Anlage kann nur zeigen, was auf der Aufnahme steht. Deshalb ist die Fähigkeit, Aufnahmequalität einzuschätzen, für jeden nützlich, der Wiedergabetechnik beurteilen will: Sonst schreibt man der Anlage zu, was die Produktion verursacht hat.

Sechs Merkmale

Dynamikumfang. Gibt es leise und laute Stellen, oder liegt alles auf einem Pegel? Bei stark komprimiertem Material wirkt das Klangbild dicht und laut, ermüdet aber schnell, siehe Hörermüdung. Ein einfacher Test: Wenn Sie die Lautstärke bei einem Album nie nachregeln müssen, ist es stark komprimiert.

Räumliche Tiefe. Sitzen Instrumente hintereinander gestaffelt oder alle auf einer Linie? Tiefe entsteht durch echten Raum bei der Aufnahme oder durch sorgfältigen Halleinsatz. Sie ist eines der ersten Dinge, die bei starker Bearbeitung verloren gehen.

Natürlicher Ausklang. Töne müssen verklingen dürfen. Wenn jeder Ausklang abrupt endet, war ein Gate oder ein Limiter am Werk.

Zischlaute und Präsenz. Übertriebene S-Laute deuten auf eine Anhebung im Bereich zwischen fünf und acht Kilohertz. Das wirkt beim ersten Hören frisch und wird schnell anstrengend.

Bassdefinition. Bei einer guten Aufnahme sind Basslinien in ihrer Tonhöhe erkennbar. Ein gleichförmiges Wummern kann sowohl von der Aufnahme als auch vom Raum kommen, hier lohnt der Vergleich mit einer bekannten Referenz, siehe Raummoden und Bass.

Stimmigkeit der Mitte. Eine Stimme sollte fest und ohne Verbreiterung in der Mitte stehen. Wenn sie sich bei Kopfbewegungen stark verändert, wurden Effekte zur Verbreiterung eingesetzt, die die Phasenlage zwischen den Kanälen verändern.

Was das Aufnahmejahr verrät

Grobe Orientierung, mit vielen Ausnahmen: Aufnahmen aus den 1950er bis frühen 1970er Jahren wurden oft mit wenigen Mikrofonen in echten Räumen gemacht und haben deshalb Tiefe, aber begrenzten Frequenzumfang und hörbares Bandrauschen. Die 1980er brachten digitale Technik mit hartem Klangbild, die 1990er die ersten stark komprimierten Produktionen. Ab etwa 2015 hat die Lautheitsnormalisierung bei Streamingdiensten den Druck zur Übersteuerung verringert.

Praktisch heißt das: Bei älterem Material lohnt es sich, nach Neuauflagen zu suchen, die von den Originalbändern stammen, aber nicht zusätzlich komprimiert wurden. Solche Ausgaben sind meist als solche gekennzeichnet.

Wo man Vergleichbares findet

Für die eigene Referenzliste ist es hilfreich, dasselbe Stück in verschiedenen Ausgaben zu kennen. Der Unterschied zwischen einer Erstpressung, einer Neuauflage und einer für Streaming gemasterten Fassung ist über eine ordentliche Anlage deutlich hörbar und schult das Gehör für genau die Merkmale, um die es oben geht.

Wichtig bleibt: Bewerten Sie eine Anlage nie an einer einzigen Aufnahme. Wenn ein Lautsprecher bei einer Produktion unangenehm klingt und bei fünf anderen nicht, liegt es an der Produktion. Klingt er bei allen sechs unangenehm, liegt es an ihm.

Häufige Fragen

Ist eine hochauflösende Datei automatisch besser?
Nein. Format und Abtastrate sagen nichts über die Qualität der Aufnahme und der Abmischung. Eine gut gemachte CD-Auflösung schlägt eine schlecht abgemischte Hochbitrate deutlich. Häufig lohnt sich der Kauf einer anderen Abmischung mehr als der eines anderen Formats.
Was ist der Loudness War?
Die Praxis, Aufnahmen durch Kompression und Limitierung so laut wie möglich zu mastern, damit sie im Radio und in Wiedergabelisten auffallen. Der Preis ist verlorene Dynamik. Seit sich Streaming-Plattformen auf Lautheitsnormalisierung umgestellt haben, ist der Anreiz geringer geworden.

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