Zum Inhalt springen
msw
Suche

Musik

Testtöne und Messsignale sinnvoll einsetzen

Testsignale sind zum Messen gedacht, nicht zum Beurteilen. Für vier Aufgaben sind sie trotzdem das beste Werkzeug.

Zuletzt geprüft am

Testsignale liefern reproduzierbare Bedingungen, die Musik nicht bieten kann. Sie ersetzen aber keine Beurteilung: Ein Lautsprecher, der mit Rauschen sauber wirkt, kann bei Musik trotzdem unangenehm sein, weil Testsignale weder Impulsstruktur noch Dynamik von Musik nachbilden.

Die vier nützlichen Signale

Sinus-Sweep, langsam durchlaufend. Das wichtigste Werkzeug für den Raum. Von 20 bis 200 Hertz zeigt er hörbar, wo Moden liegen. Auch mechanische Probleme fallen auf: Klappern eines Regals, Mitschwingen einer Scheibe, Anschlagen einer Sicke. Wer den Sweep zusätzlich langsam durch den Mittelton laufen lässt, findet Gehäuseresonanzen.

Rosa Rauschen. Enthält je Oktave gleiche Energie und entspricht damit grob der spektralen Verteilung von Musik. Es ist das Standardsignal für den Pegelabgleich beim Vergleich, siehe Hörproben-Methodik, und für die Beurteilung der Klangbalance über den gesamten Bereich.

Schmalbandiges Rauschen oder Terzrauschen. Nützlich, um einen bestimmten Frequenzbereich zu isolieren, etwa um zu prüfen, ob eine Überhöhung bei 120 Hertz vom Raum oder vom Lautsprecher kommt: Position wechseln, erneut hören, ändert sich der Pegel deutlich, war es der Raum.

Impulse und Klicks. Machen Nachschwingen und Flatterechos hörbar. Der einfachste Impulsgeber ist ein Händeklatschen im leeren Raum, das reicht für die Diagnose eines Flatterechos zwischen parallelen Wänden völlig aus.

Was Testtöne nicht leisten

Sie sagen nichts über das Verhalten bei komplexem Material aus. Intermodulation entsteht erst, wenn mehrere Frequenzen gleichzeitig durch dasselbe Chassis laufen, und Kompression zeigt sich erst bei dynamischem Material. Ein Lautsprecher lässt sich deshalb mit Testtönen diagnostizieren, aber nicht beurteilen.

Zweitens verführt der Umgang mit Sinustönen zu falschen Schlüssen über den Frequenzumfang. Dass Sie einen Ton bei 30 Hertz hören, heißt nicht, dass der Lautsprecher ihn wiedergibt. Häufig hören Sie die zweite Harmonische bei 60 Hertz, die durch Verzerrung entsteht, oder ein mechanisches Geräusch der Membran.

Praktischer Ablauf für den Raumcheck

  1. Sweep von 20 bis 200 Hertz, einmal je Lautsprecher einzeln, am Hörplatz hören und Auffälligkeiten notieren.
  2. Sweep wiederholen und dabei im Raum umhergehen. Wo der Pegel stark schwankt, liegen die Modenmuster.
  3. Rosa Rauschen abspielen und Kopf leicht bewegen. Ändert sich die Klangfarbe stark schon bei kleinen Bewegungen, gibt es Interferenzen im Mittelhochton, oft durch Reflexionen an einer nahen Fläche.
  4. Händeklatschen im Raum: metallisches Zirpen bedeutet Flatterecho zwischen parallelen Wänden.

Aus diesen vier Schritten ergibt sich in zwanzig Minuten ein Bild, das dem einer ersten Messung nahekommt. Wer danach genauer arbeiten will, braucht ein Messmikrofon, siehe Messmikrofon und Software.

Häufige Fragen

Kann ich mit einem Sinus-Sweep Raummoden finden?
Ja, das ist eine der besten Anwendungen ohne Messtechnik. Lassen Sie einen langsamen Sweep von 20 bis 200 Hertz laufen und hören Sie am Hörplatz, wo es deutlich lauter oder leiser wird. Die Frequenzen notieren und mit den berechneten Moden vergleichen.
Warum klingt rosa Rauschen aus zwei Lautsprechern anders als aus einem?
Weil sich die beiden Signale im Raum überlagern. Bei unkorreliertem Rauschen entsteht ein diffuses Feld, bei identischem Rauschen bilden sich Interferenzen. Für den Pegelabgleich sollten Sie deshalb jeden Lautsprecher einzeln messen.
Schaden Testtöne den Lautsprechern?
Dauersinus bei hohem Pegel kann Hochtöner thermisch überlasten, weil die Belastung anders als bei Musik nicht schwankt. Bleiben Sie bei moderaten Pegeln und lassen Sie keinen Dauerton über Minuten laufen.

Weiterlesen

Raumakustik

Raummoden und Bass

Unterhalb von 300 Hertz hören Sie den Raum, nicht den Lautsprecher. Wo die Moden liegen, lässt sich mit drei Zahlen ausrechnen.