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Hörproben-Methodik: Vergleiche, die morgen noch gelten

Pegel angleichen, kurz umschalten, in beide Richtungen vergleichen, notieren. Vier Regeln, die den Unterschied zwischen Eindruck und Erkenntnis ausmachen.

Zuletzt geprüft am

Pegelabgleich
auf 0,5 dB genau, sonst gewinnt der lautere
Ausschnittlänge
20 bis 60 Sekunden
Umschaltpause
so kurz wie möglich
Durchgänge
mindestens zweimal, in beiden Reihenfolgen

Der übliche Hörvergleich läuft so ab: Ein Lautsprecher spielt zwanzig Minuten, dann der andere, dazwischen wird geredet und umgebaut. Das Ergebnis ist ein Gefühl, kein Vergleich. Mit vier Regeln wird daraus etwas, worauf man eine Kaufentscheidung stützen kann.

Regel 1: Pegel angleichen

Der lautere Lautsprecher gewinnt fast immer, und schon ein halbes Dezibel reicht. Angleichen heißt: rosa Rauschen abspielen, mit einem Schallpegelmesser oder einer Mess-App am Hörplatz messen, Verstärkung so einstellen, dass beide Kandidaten denselben Wert erreichen. Wer keinen Messwert hat, gleicht nach Gehör an einer Stimme an, was gröber, aber immer noch besser als nichts ist.

Zu beachten: Lautsprecher unterschiedlicher Empfindlichkeit brauchen dafür unterschiedliche Reglerstellungen, siehe Wirkungsgrad und Kennschalldruck.

Regel 2: Kurz umschalten

Das akustische Kurzzeitgedächtnis hält wenige Sekunden. Je länger die Pause zwischen zwei Kandidaten, desto stärker vergleichen Sie mit einer Erinnerung statt mit einem Klang. Ideal ist ein Umschalten innerhalb einer Sekunde, praktisch möglich mit einem Umschalter oder mit zwei parallel angeschlossenen Verstärkern.

Wenn ein Umbau nötig ist, arbeiten Sie mit sehr kurzen Ausschnitten und mehreren Wiederholungen statt mit langen Passagen.

Regel 3: In beide Richtungen vergleichen

Der zuletzt gehörte Kandidat wirkt oft besser, allein durch die Reihenfolge. Führen Sie deshalb jeden Vergleich zweimal: erst A dann B, danach B dann A. Wenn Ihr Urteil in beiden Reihenfolgen gleich ausfällt, ist es belastbar. Wenn nicht, hören Sie einen Reihenfolgeeffekt und keinen Unterschied.

Regel 4: Vor dem Hören festlegen, worauf Sie achten

Ohne festes Kriterium beschreibt man am Ende Stimmungen. Legen Sie je Ausschnitt eine Frage fest: Bleibt der Bass in der Tonhöhe unterscheidbar? Steht die Stimme stabil in der Mitte? Ist der Anschlag ein Ereignis oder ein Wisch? Notieren Sie die Antwort sofort, nicht später.

Die passenden Ausschnitte dazu liefert die eigene Referenzliste.

Was den Vergleich sonst noch verzerrt

Der Raum. Zwei Lautsprecher an unterschiedlichen Positionen zu vergleichen ist sinnlos, weil der Positionsunterschied im Bass größer wirkt als der Geräteunterschied. Wenn nur ein Paar Stellplätze existiert, muss umgebaut werden, so lästig das ist.

Die Tagesform. Nach einem lauten Arbeitstag oder einer Erkältung hören Sie messbar anders. Verschieben Sie den Termin lieber.

Die Erwartung. Preis, Marke und Bauform beeinflussen die Wahrnehmung, siehe Psychoakustik. Vollständig ausschalten lässt sich das nur blind, verringern lässt es sich, indem Sie Ihre Entscheidung an vorher festgelegten Kriterien festmachen statt am Gesamteindruck.

Ein praktikabler Ablauf

  1. Kandidaten aufstellen, Pegel angleichen, kurz warmspielen.
  2. Sechs Ausschnitte à 30 Sekunden vorbereiten, je mit einer festen Frage.
  3. Durchgang eins: A gegen B, Notizen.
  4. Kurze Pause, mindestens fünf Minuten Stille.
  5. Durchgang zwei: B gegen A, Notizen.
  6. Notizen vergleichen. Was in beiden Durchgängen gleich beurteilt wurde, ist echt.

Wer so vorgeht, braucht keine drei Stunden und bekommt ein Ergebnis, das auch am nächsten Tag noch trägt.

Häufige Fragen

Warum entscheidet der Pegel so stark?
Schon ein halbes Dezibel mehr wird als mehr Detail und mehr Dynamik wahrgenommen, ohne dass der Unterschied als Lautstärke auffällt. Ohne Pegelabgleich vergleichen Sie im Wesentlichen die Lautstärke.
Muss ich blind hören?
Für belastbare Aussagen über kleine Unterschiede ja. Für die Auswahl eines Lautsprechers, bei dem die Unterschiede groß sind, reicht ein sorgfältiger offener Vergleich mit Pegelabgleich. Wichtiger als Blindheit ist Kürze und Wiederholung.
Wie lange sollte eine Sitzung dauern?
Etwa 30 bis 45 Minuten. Danach lässt die Unterscheidungsfähigkeit messbar nach, und die Ergebnisse werden beliebiger. Zwei kurze Termine sind besser als ein langer.

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