Schallwandler
Wandler in Hörgeräten
Ein Hörgerät enthält zwei Wandler auf wenigen Millimetern, dazwischen einen Rechner. Die akustischen Probleme dabei sind lehrreich.
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Ein Hörgerät ist ein vollständiges akustisches System auf der Größe einer Fingerkuppe: ein oder mehrere Mikrofone, ein Rechner und ein Hörer, also der Miniaturlautsprecher, der den Schall ins Ohr abgibt.
Die Wandler
Als Mikrofone kommen fast ausschließlich MEMS-Mikrofone zum Einsatz, also Bauteile, bei denen eine Membran im Silizium gefertigt wird. Sie sind winzig, in ihren Eigenschaften eng toleriert und temperaturstabil. Enge Toleranzen sind wichtig, weil zwei Mikrofone an einem Gerät durch ihren Abstand eine Richtcharakteristik bilden. Schon geringe Unterschiede zwischen ihnen zerstören diese Richtwirkung.
Der Hörer ist meist ein Balanced-Armature-Wandler: Ein Anker im Magnetfeld bewegt über einen Hebel eine kleine Membran. Bei diesen Abmessungen ist das effizienter als eine Schwingspule, und Effizienz bestimmt hier unmittelbar die Batterielaufzeit.
Die akustischen Kernprobleme
Rückkopplung. Mikrofon und Hörer sitzen wenige Millimeter voneinander entfernt, dazwischen liegt eine erhebliche Verstärkung. Gelangt Schall vom Hörer zurück zum Mikrofon, entsteht ein geschlossener Kreis. Gegenmaßnahmen sind dichter Sitz, mechanische Entkopplung und adaptive Filter, die das Rückkopplungssignal schätzen und subtrahieren.
Okklusion. Ein dicht verschlossener Gehörgang lässt körpereigenen Schall, etwa die eigene Stimme, dumpf und laut erscheinen. Offene Versorgungen mit belüfteten Ohrstücken lösen das, erhöhen aber die Rückkopplungsneigung.
Dynamikkompression. Bei Innenohrschwerhörigkeit steigt die Hörschwelle, während die Unbehaglichkeitsschwelle oft gleich bleibt. Der nutzbare Dynamikbereich schrumpft. Das Gerät muss deshalb leise Anteile stärker verstärken als laute, und zwar frequenzabhängig und mit passenden Zeitkonstanten.
Störgeräusche. Weil das geschädigte Innenohr an Trennschärfe verliert, siehe Hörphysiologie, reicht bloße Verstärkung nicht. Richtmikrofone, Störgeräuschunterdrückung und in neueren Geräten datengetriebene Verfahren versuchen, Sprache hervorzuheben.
Was Musikhörer davon lernen können
Erstens: Hörschäden sind nicht nur ein Empfindlichkeitsverlust, sondern ein Verlust an Auflösung. Das ist der eigentliche Grund für Gehörschutz bei Konzerten und für Zurückhaltung beim Pegel, siehe Hörermüdung.
Zweitens: Die Probleme der Miniaturisierung, also Rückkopplung, begrenzte Dynamik und Kompression, sind dieselben, die auch in Mobilgeräten auftreten, siehe Wandler in Mobilgeräten.
Drittens: Wer den Verdacht hat, schlechter zu hören, sollte das audiologisch abklären lassen, statt es an der Anlage zu kompensieren. Ein Seitenunterschied verschiebt die Stereomitte dauerhaft und lässt sich technisch nur oberflächlich ausgleichen.
Häufige Fragen
- Warum pfeift ein Hörgerät manchmal?
- Weil Schall vom Hörer zurück zum Mikrofon gelangt und der Kreis sich aufschaukelt. Moderne Geräte unterdrücken das mit adaptiven Filtern, die das Rückkopplungssignal nachbilden und abziehen. Ein schlecht sitzendes Ohrstück verstärkt das Problem.
- Ersetzt ein Hörgerät das normale Hören?
- Nein. Es gleicht Pegel frequenzabhängig aus, kann aber die verlorene Trennschärfe des geschädigten Innenohrs nicht wiederherstellen. Deshalb bleibt Sprachverstehen im Störgeräusch auch mit Versorgung schwieriger als bei normalem Gehör.
- Sind Kopfhörer mit Verstärkungsfunktion eine Alternative?
- Für leichte Einschränkungen gibt es zugelassene Produkte zur Selbstanpassung. Bei nennenswertem Hörverlust ersetzt das keine audiologische Abklärung, schon weil die Ursache medizinisch geklärt gehört.
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